Der diabetische Fuß: Warum regelmäßiges Hinschauen so wichtig ist
Die häufigste Ursache einer Polyneuropathie – und was Sie bei Diabetes täglich für Ihre Füße tun können.
Beitrag lesenKribbeln, Taubheit, das Gefühl, auf Watte zu laufen – und irgendwann spürt man gar nichts mehr. Warum das gefährlich ist und welche Hilfe Ihnen zusteht.
„Poly" heißt viele, „Neuropathie" bedeutet Nervenschädigung. Bei einer Polyneuropathie sind also mehrere periphere Nerven geschädigt – meist zuerst die längsten im Körper. Und die enden in den Füßen. Deshalb beginnen die Beschwerden fast immer dort und wandern von unten nach oben.
Betroffen sind unterschiedliche Nervenfasern: solche, die fühlen (Berührung, Schmerz, Temperatur), solche, die bewegen, und solche, die unbewusste Vorgänge steuern – etwa das Schwitzen. Deshalb wird die Haut an den Füßen oft auffällig trocken.
Typisch ist ein schleichender Beginn. Viele beschreiben es so:
Manche Betroffene haben zusätzlich Schmerzen, andere spüren im Verlauf immer weniger. Gerade das zweite ist tückisch: Das Nachlassen der Beschwerden fühlt sich wie Besserung an – tatsächlich ist es oft ein Fortschreiten.
Die häufigste Ursache ist Diabetes. Sie ist aber bei Weitem nicht die einzige:
Bei einem Teil der Betroffenen lässt sich trotz gründlicher Abklärung keine Ursache finden. Die Behandlung der Füße ist deshalb nicht weniger wichtig.
Schmerz ist ein Schutzsystem. Fällt es aus, fehlt die Rückmeldung: Der zu enge Schuh drückt unbemerkt, das Steinchen bleibt liegen, die Blase wird nicht gespürt. Aus einer Kleinigkeit entsteht so eine Wunde – und weil die trockene, rissige Haut ohnehin durchlässiger ist, setzen sich Keime leichter fest.
Deshalb gilt bei Polyneuropathie derselbe Grundsatz wie beim diabetischen Fuß: lieber einmal mehr hinschauen als einmal zu wenig. Kontrollieren Sie Ihre Füße täglich – wenn nötig mit einem Handspiegel für die Sohlen.
Hornhaut und Nägel gehören bei fehlendem Schmerzempfinden nicht in die eigene Hand – eine kleine Verletzung bliebe schlicht unbemerkt. In der Praxis arbeiten wir mit sterilen Instrumenten und, ebenso wichtig, mit geschultem Blick: Druckstellen und beginnende Entzündungen fallen bei regelmäßigen Terminen früh auf.
Kommt eine Nagelspange in Frage, bringen wir eingewachsene oder stark gekrümmte Nägel schonend wieder in Form.
Hier liegt der wichtigste Punkt – und ein weit verbreiteter Irrtum. Podologische Behandlung auf Kassenkosten gibt es nicht nur bei Diabetes. Seit Juli 2020 ist sie ebenso verordnungsfähig, wenn eine sensible oder sensomotorische Neuropathie anderer Ursache vorliegt.
Damit die Verordnung ausgestellt werden kann, gehören dazu:
Ist die Gefühlsstörung festgestellt, aber die Ursache noch unklar, darf trotzdem verordnet werden – die neurologische Abklärung soll dann innerhalb eines halben Jahres folgen. Sie müssen also nicht warten, bis alles geklärt ist.
Wichtig zu wissen: Eine reine Durchblutungsstörung ohne Nervenbeteiligung reicht für diese Verordnung nicht aus.
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Ob eine Verordnung in Ihrem Fall möglich ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
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