Der diabetische Fuß: Warum regelmäßiges Hinschauen so wichtig ist
Der Charcot-Fuß ist eine Sonderform davon. Was Sie bei Diabetes täglich für Ihre Füße tun können.
Beitrag lesenEin Fuß ist plötzlich geschwollen, gerötet und deutlich wärmer als der andere – und tut trotzdem kaum weh. Genau das ist das gefährliche Zeichen.
Der Charcot-Fuß – medizinisch diabetische Neuroosteoarthropathie – ist eine Sonderform des diabetischen Fußsyndroms. Dabei werden Knochen und Gelenke im Fuß instabil: Der Knochen baut sich um, kleine Brüche entstehen, Gelenke verschieben sich.
Das Verhängnisvolle daran ist die fehlende Warnung. Bei einer Polyneuropathie ist das Schmerzempfinden herabgesetzt – der Betroffene läuft also weiter, während der Fuß innerlich bereits zusammenbricht. Jeder Schritt verstärkt den Schaden.
Bleibt das unerkannt, verformt sich der Fuß dauerhaft. Im typischen Bild bricht das Fußgewölbe ein, die Sohle wölbt sich nach unten – der sogenannte Schaukelfuß. An diesen neuen Druckpunkten entstehen dann Wunden, die schwer heilen.
In der akuten Phase zeigt sich fast immer dasselbe Bild – und zwar an nur einem Fuß:
Der Seitenvergleich ist der entscheidende Hinweis. Fachleute messen die Temperatur beider Füße: Ein deutlicher Unterschied zwischen rechts und links gilt als Verdachtsmoment.
Sie können das zu Hause grob prüfen: Legen Sie den Handrücken nacheinander auf beide Fußrücken. Fühlt sich einer spürbar wärmer an, ohne dass Sie eine Verletzung sehen – lassen Sie es abklären.
Ein warmer, geschwollener, roter Fuß sieht aus wie vieles: eine Entzündung, ein Gichtanfall, eine Thrombose, eine Prellung. Ohne Schmerzen wirkt die Sache zudem harmlos, und viele warten deshalb den nächsten regulären Termin ab.
Genau diese Wochen entscheiden aber über den späteren Verlauf. Deshalb gilt: Bei bekannter Nervenschädigung ist dieser eine Fuß so lange ein Charcot-Verdacht, bis das Gegenteil feststeht.
In der akuten Phase wird nicht operiert. Die wichtigste – und wirksamste – Maßnahme ist konsequente Entlastung und Ruhigstellung. Dafür kommen ein Spezialgips oder eine Orthese zum Einsatz, dazu Gehhilfen oder ein Rollstuhl.
Das ist unbequem und dauert lange, oft mehrere Monate. Aber Belastung ist in dieser Phase der Brandbeschleuniger: Jeder Schritt auf dem instabilen Fuß vergrößert den Schaden. Erst wenn die Überwärmung dauerhaft zurückgegangen ist und Röntgenaufnahmen einen stabilen Zustand zeigen, wird die Entlastung schrittweise gelockert.
Danach geht es darum, den Fuß dauerhaft zu schützen – meist mit orthopädischen Schuhen oder Einlagen, die den veränderten Druck ausgleichen.
Podologisch behandeln wir den akuten Charcot-Fuß nicht – das gehört in ärztliche Hände. Unser Beitrag liegt davor und danach.
Wer regelmäßig zur Fußpflege kommt, hat alle paar Wochen ein geschultes Augenpaar an beiden Füßen. Ein Seitenunterschied in Temperatur, Form oder Schwellung fällt uns dabei auf – oft früher als dem Betroffenen selbst, gerade wenn das Gefühl nachgelassen hat. In einem solchen Fall schicken wir Sie umgehend weiter.
Nach der akuten Phase geht es darum, die neuen Druckstellen im Blick zu behalten und Hornhaut rechtzeitig abzutragen, bevor darunter eine Wunde entsteht.
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an uns oder an Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt.
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