Der diabetische Fuß: Warum regelmäßiges Hinschauen so wichtig ist
Wie aus einer unbemerkten Druckstelle eine Wunde wird – und woran Sie es früh erkennen.
Beitrag lesenEin junges Verfahren mit einer für dieses Feld ungewöhnlich soliden Studienlage – und mit klaren Grenzen. Was Kaltplasma kann, was es nicht kann, und an welcher Stelle es in die Behandlung gehört.
Eine Wunde am Fuß ist bei Diabetes eine andere Situation als eine Wunde am Unterarm. Meist kommen mehrere Dinge zusammen, die jedes für sich schon bremsen würden.
Deshalb heilt eine solche Wunde nicht in Tagen, sondern über Wochen und Monate – und deshalb wird intensiv nach Verfahren gesucht, die diesen Prozess unterstützen. Kaltplasma ist eines davon.
Plasma ist der vierte Aggregatzustand: ein Gas, dessen Teilchen elektrisch geladen sind. Man kennt es von Leuchtstoffröhren oder von Blitzen. „Kalt" bedeutet hier, dass es bei ungefähr Körpertemperatur erzeugt wird und deshalb direkt auf der Haut angewendet werden kann.
Das Gerät wird über die Wunde geführt, ohne sie zu berühren. Wirksam ist nicht die Wärme, sondern das, was im Plasma entsteht: reaktive Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen. Sie reduzieren Keime auf der Wundoberfläche – und offenbar stoßen sie auch Vorgänge im Gewebe an, die zur Heilung gehören.
Bei neuen Verfahren lohnt der genaue Blick, weil viel behauptet und wenig belegt wird. Bei Kaltplasma ist die Lage besser als bei den meisten:
Die wichtigste Untersuchung ist eine randomisierte, placebokontrollierte Studie, bei der die Patientinnen und Patienten nicht wussten, ob sie das echte Gerät oder ein wirkungsloses Vergleichsgerät bekamen. Durchgeführt wurde sie an zwei Kliniken, an oberflächlichen bis sehnennahen, infizierten Wunden am diabetischen Fuß. Ergebnis: Die Wunden verkleinerten sich schneller und die Keimlast sank stärker, wenn Kaltplasma zusätzlich zur normalen Wundbehandlung eingesetzt wurde.
Eine Folgearbeit derselben Arbeitsgruppe hat untersucht, woran das liegt. Im Wundsekret der behandelten Wunden fanden sich höhere Werte zweier Wachstumsfaktoren, die für Gefäßneubildung und neues Gewebe wichtig sind. Das war bis dahin nur in Zellkultur- und Tierversuchen gezeigt worden, nicht bei Menschen mit Diabetes.
Stratmann B et al., Effect of Cold Atmospheric Plasma Therapy vs Standard Therapy Placebo on Wound Healing in Patients With Diabetic Foot Ulcers, JAMA Network Open 2020;3(7):e2010411 · Hiller J et al., Enhanced growth factor expression in chronic diabetic wounds treated by cold atmospheric plasma, Diabetic Medicine 2022;39(6):e14787
Das ist der Teil, der in Werbetexten meist fehlt. In beiden Studien wurde Kaltplasma ergänzend eingesetzt – zusätzlich zu allem, was ohnehin zur Wundbehandlung gehört: Reinigung, Entlastung, Verbandwechsel, Kontrolle der Durchblutung, gegebenenfalls Antibiotika. Untersucht wurde nie, ob Kaltplasma diese Behandlung ersetzen kann. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es das täte.
Ebenso ehrlich gehört dazu: Insgesamt ist die Datenlage zu Kaltplasma noch begrenzt. Es gibt weitere Studien mit unterschiedlichen Geräten und Anwendungsdauern, deren Ergebnisse sich nicht direkt vergleichen lassen. Die Richtung ist erfreulich, ein abgeschlossenes Kapitel ist es nicht.
Wunden am Fuß gehören ärztlich geführt. Das steht so auch in unserem Beitrag über den diabetischen Fuß, und daran ändert Kaltplasma nichts.
Was wir tun: Wir setzen die Kaltplasmaanwendung ergänzend und in enger Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ein, begleitend zur podologischen Behandlung. Wir stimmen uns über den Verlauf ab und melden zurück, was wir am Fuß sehen. Bei kleinen, oberflächlichen Wunden – etwa nach einer Druckstelle – ist das ein sinnvoller Baustein.
Genauso wichtig ist der Teil, der nicht nach Technik aussieht: Druck von der Stelle nehmen. Solange dieselbe Stelle bei jedem Schritt wieder belastet wird, hilft kein Gerät der Welt dauerhaft.
Zur Leistung: Kaltplasmatherapie bei kleinen Wunden
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an uns oder an Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt.
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